Referenzen

Ist es das Motiv, ist es die Farbe oder ist es die Technik, die den Betrachter bei den Arbeiten von Marlene Schanz (Marlen) verweilen lassen? Ist es die Stimmung, die zwischen Aufheiterung, Spannung und Melancholie pendelt? Oder sind es die unterschiedlichen Positionen, die Marlen von Abstraktem zu Expressionistischem und zu Träumerischem einnimmt?

Wenn man bedenkt, dass Marlen mit Ihren bloßen Fingern malt, also keinen Pinsel zur Hand nimmt und ihrer Inspiration und Intuition freien Lauf lässt, dann ist es erstaunlich, wie feinlinig ihre Arbeiten ausfallen können. Sie bedient sich auch ohne Malwerkzeug der klassischen Technik des Malens, stellt also nicht ihr wahres Handwerk heraus oder gar in den Vordergrund, um eine vom Pinsel losgelöste Wirkung zu erzielen. Perspektive und Bildaufbau sind nicht beliebig gewählt, sondern dienen einem harmonischen Gesamteindruck, der den Blick auf das Wesentliche sanft aber bestimmt lenkt.

Mit den gewählten Farben unterstreicht Marlen in feiner Art und Weise die Emotion, die in ihr liegt und die sie auf ihr Bild übertragen will. Emotion und Traum wird immer mehr das Leitmotiv ihrer Arbeiten, die in ihrer Entwicklung konzentriert und fokussiert erscheinen. Steht bei ihren älteren Arbeiten noch das Experimentelle im Vordergrund, so gewinnt die Aussage in den aktuelleren Bildern von Marlen an Bedeutung; ein Weg, der zum Beispiel den Wert und die Kraft eines Flügelschlags beschreiben will, ein Weg, der Geschichten erzählen möchte, die in einer Traumwelt ihren Ursprung haben, aber ohne Träumereien in eine greifbare Bildsprache umgesetzt werden.

Das kreative Potential der Künstlerin ist in Aufruhr geraten; sie konfrontiert uns mit Greifbarem und Surrealem. Sie trifft Aussagen und stellt Fragen. Aussagen gegenüber dem Betrachter und Fragen an sich selbst? Sie besetzt Positionen, die ihr am Herzen liegen und uns vertraut sind; sie besetzt aber auch Positionen, die sie alleine einnimmt und ihre singuläre Ausdrucksform in das Zentrum des Betrachters rückt. Hier werden ihre Fingerzeige neugierig aufgenommen, hier möchte der Betrachter verweilen, hier will er die Geschichte hinter der Geschichte ergründen. Marlen wird sie uns immer wieder erzählen und wir werden uns ihr nicht entziehen können. Ihr persönliches Charisma spiegelt sich in ihren Bildern wider; sie werden mehr und mehr Teil ihrer selbst und öffnen einen Türspalt zu ihrer Seele.

 

Hans-Gerd Nitz – Mitglied der Jury der Kunstsammlung Deutscher Wetterdienst

November 2013


 

Marlene Schanz wurde 1977 in Bacau in Rumänien geboren und lebt seit 12 Jahren mit ihrer Familie in Frankfurt am Main. Nach dem Studium der Sportwissenschaften an der Universität Bukarest und einer erfolgreichen Karriere als Fotomodel ist sie seit 2006 künstlerisch aktiv. Sie hat bereits mehrfach ausgestellt und ist gerade dabei, ihre Kunst zu etablieren, sie ist ein so genannter Geheimtipp. Das nächste große Ding.

Marlene Schanz zeichnet zunächst eine Besonderheit aus: Sie ist sehr nah dran an ihrer Kunst, und das im Wortsinn, denn sie benutzt keinen Pinsel. Wie ein Bäcker den Teig, bearbeitet sie die Leinwand – mit den Händen, mit jedem einzelnen Finger. Allein diese haptische Konstellation macht ihre Bilder bemerkenswert.

Man könnte ihre Bilder als unmittelbaren Ausdruck von Visionen bezeichnen, inneren Bildern, schwer zu trennen von Gefühlszuständen, die sie, die Künstlerin, diese Bilder sehen lassen. Der Gefühlszustand sieht die Bilder voraus. Ist das nicht die Kunst, die wir eigentlich wollen? Intuitiv, persönlich, authentisch? Ohne verquaste Metatheorie und ironisch verspieltes Kunsthandwerk?

Drawing A Life – das Leben zeichnen; aber auch: gezeichnetes Leben (als vom Leben gezeichnete Kunst); auf die Leinwand gezogenes Leben; nachgezeichnetes Leben; erst das Leben, dann die Kunst. Also vorangehendes Leben, die Kunst kommt immer erst später, die Kunst ist eine Essenz dieses Lebens, sein Extrakt. Und dieser Extrakt hat immer mit Liebe zu tun, der Liebe zum Leben, zu Menschen, Dingen, Träumen und Alpträumen.

Ihr bisheriges Oeuvre lässt sich in drei Richtungen beschreiben: das Figürliche; das Abstrakte; die Stadtansicht. Während der figürliche Ansatz immer auch ein narrativer ist, der eine Geschichte erzählt, ist die Abstraktion bei Marlene Schanz ein experimenteller Prozess, der Farben und Formen aufwirft wie Fragen, deren Beantwortung wir leisten müssen. Als ein stilistischer Mix aus beidem können ihre Städteserien bezeichnet werden, die Vieles der Andeutung überlassen, der groben Linie, und deshalb unter dem Titel Stadt an sich stehen könnten, immer aus dem Blickwinkel des Traums.

Mich zieht es ja sofort zur Abstraktion. Auf zwei Serien bzw. Motivkreise möchte ich besonders hinweisen: auf die Stadtansichten und die im engeren Sinn nichtgegenständlichen Bilder.

Stadt an sich – die Frage also: Was ist die Stadt ihrem Wesen nach? liegt den Bildern „Towers“, „Happy City“, „City Lines“, „Magic City“ oder „Follow the Line“ zugrunde. Ich selbst habe öfter einmal in dieser Art Panorama von Berlin geträumt: Ich stand in irgendeiner Savanne zwischen den Halmen und sah aus der Ferne auf die Berlin-Silhouette, die mich zu rufen schien, ja herzuwinken, um mir zu erklären warum wir beide, sie und ich, an ein Ende der Welt geraten waren, wie es dazu kommen konnte. Diese Traumlogik, hinter der immer auch eine Geschichte steckt, die wir uns zu Ende erzählen müssen, spricht mich hier unmittelbar an. Und auch wenn eher Frankfurt, Toronto oder Chicago Pate gestanden haben mögen, geht es hier nicht um Abbildung, sondern um die Überwirklichkeit des Traums. (Max Ernsts Bilder „Die ganze Stadt“ von 1935 fielen mir ebenfalls ein, ein surrealistisches Gemälde in zwei Versionen, einmal mit Sonne, einmal ohne.) Der künstlerische Akt als Vereinfachung und auf den Punkt Bringen des Wesentlichen, also nicht mehr Paris Toronto Frankfurt, sondern etwas, das so allgemein ist wie das Wort Stadt, das sie alle in sich enthält.

Und das bringt mich zum Schluss zu einer Reihe nichtgegenständlicher Bilder, die in meinen Augen etwas wie die Seele selbst sprechen lassen. Wenn man davon ausgeht, das jeder Mensch eigentlich eine ganz eigene Sprache spricht, eine, die nichts mit Verständigung und einem Regelwerk, einem System wie „deutsch“, „rumänisch“, „englisch“ zu tun hat, sondern mit dem, was der individuelle Kern eines Jeden ist, nicht nur als das Besondere, sondern auch das eigentlich zutiefst Sprachlose, kann man sagen, dass Kunst immer auch eine Übersetzungskunst ist für das, was wir nicht oder nicht einfach so aussprechen können. In „Genesis I“ und „II“ spricht sich für mich ein Werden aus, ein Blick die „Inner Road“ entlang, wie ein anderes Bild heißt, also in sich hinein, dorthin, wo Farben und Formen unter einer anderen Sonne stehen als der gewöhnlichen.

 

Marcus Roloff – Dichter

Juni 2014

 

 


„Expressionistische Züge weist auch das Werk von Frankfurter Künstlerin Marlene Schanz auf.

Ihre Traumwandlerischen Bildwelten sind jedoch bisweilen auch abstrakt bis surreal. Bildthemen wie das Universum, Illusion und der innere Pfad verweisen auf philosophische Komponenten in ihrem Werk, fernab des Alltäglichen. Doch auch allzu weltlich Materien macht sie zu ihren Sujets. Abstrakt umgesetzte Stadtbilder, wie beispielweise die Skyline ihrer Heimatstadt Frankfurt, zeugen von ihrem künstlerischen Blick und dem Auge für das Wesentliche der Schönheit. Dekorativ anmutende Bildnahme wie „Dark Angel „oder „Autumn Day“ ofenbaren Welten, die viel mehr als nur dekorativ sind Sie nehmen den Rezipienten mit auf eine Reise des Entdeckens, auf die Suche nach Details. Dabei erzeugt der Verstand bisweilen fantastischen Wesen, goldenes Getier oder wähnt in der Zweidimensionalität der Leinwand eine Tiefe auszumachen, die eigentlich nicht vorhanden ist. Das Kuriose dabei ist, das Marlene Schanz all das mit bloßer Intuition und lediglich mit den eigenen Finger erschafft.“

 

Kathrin Albrecht- Zeitkunst/Special-Februar 2017

 

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